Wer in der Öl- und Gasbranche arbeitet, kennt den Begriff NORM. Für andere klingt es vielleicht fremd: radioaktives Material in gewöhnlichen Rohrleitungen. Dennoch ist es ein bekanntes Phänomen, und es bestimmt, wie Leitungen gereinigt, gewartet und zurückgebaut werden müssen. In diesem Artikel erklären wir, was NORM ist, warum es sich bildet und worauf ein Auftraggeber achten sollte. Zu unserer Rolle lesen Sie mehr auf der Seite Reinigung radioaktiv kontaminierter Rohrleitungen.
Was ist NORM?
NORM steht für Naturally Occurring Radioactive Material: natürlich vorkommende radioaktive Stoffe. Es handelt sich um Stoffe aus der Erdkruste wie Uran, Thorium und deren Zerfallsprodukte, darunter Radium-226, Radium-228 und Blei-210. Sie waren schon immer da, können sich aber durch menschliches Handeln anreichern, zum Beispiel bei der Förderung oder Verarbeitung von Öl und Gas.
Wie entsteht NORM-Belag in Rohrleitungen?
Scale aus Formationswasser
Bei der Förderung gelangt zusammen mit Öl und Gas Formationswasser an die Oberfläche. Dieses Wasser enthält gelöste Salze und Radium. Wenn Druck und Temperatur sinken, fallen Salze wie Bariumsulfat als harte Ablagerung aus. Radium wird darin eingebaut, wodurch die Ablagerung leicht radioaktiv wird.
Schlamm und Sedimente
In Behältern, Separatoren und Tanks setzt sich Schlamm ab. Auch darin können sich NORM-Stoffe anreichern. Die Aktivität ist in der Regel niedrig, unterscheidet sich aber je nach Standort und Bauteil.
Dünne Beläge durch Radon
In Gasströmen wird Radon mitgeführt. Es zerfällt zu Blei-210, das sich als dünner Belag an der Innenseite von Leitungen und Apparaten absetzt. Auch das kann eine Quelle von NORM sein.
Warum ist das Reinigen schwierig?
Solange NORM in der Leitung festsitzt, ist das Risiko begrenzt. Es ändert sich, sobald die Ablagerung gelöst wird. Beim Reinigen, Schneiden oder Demontieren können Partikel als Staub freigesetzt werden oder ins Wasser gelangen. Das wichtigste Risiko ist, dass jemand sie einatmet oder aufnimmt. Deshalb gilt als Grundsatz: nichts entweichen lassen. Das erfordert ein geschlossenes System, Unterdruck und Filtration, Fernbedienung, getrenntes Auffangen der Reststoffe und eine gute Dokumentation.
Was sagen die Vorschriften?
In den Niederlanden fallen Tätigkeiten mit radioaktiven Stoffen unter das Kernenergiegesetz (Kernenergiewet) und das Besluit basisveiligheidsnormen stralingsbescherming. Die niederländische Strahlenschutzbehörde ANVS führt die Aufsicht. Je nach Tätigkeit und Höhe der Radioaktivität ist eine Tätigkeit melde- oder genehmigungspflichtig, und ein Strahlenschutzexperte ist eingebunden. In Deutschland sind das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) und die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) maßgeblich; der Vollzug liegt überwiegend bei den Ländern.
Aktuelle Vorgaben prüfen
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Situation und ändern sich mit der Gesetzgebung. Wenden Sie sich für Ihr konkretes Projekt stets an die zuständige Behörde (in den Niederlanden die ANVS) oder an einen anerkannten Strahlenschutzexperten.
Was geschieht mit den Reststoffen?
Nach der Reinigung bleibt eine begrenzte Menge fester und flüssiger Reststoffe übrig. Diese wird über den dafür zuständigen Weg entsorgt, zum Beispiel an zugelassene Verwerter oder an die COVRA, die Organisation, die in den Niederlanden radioaktive Abfälle lagert. Ob eine gereinigte Leitung wiederverwendet werden darf, hängt von Messungen und den geltenden Grenzen ab. Das beurteilt ein Strahlenschutzexperte.
Checkliste für Auftraggeber
- Wurden Art und Umfang der NORM-Kontamination durch einen Strahlenschutzexperten festgestellt?
- Welcher Partner führt die Arbeiten aus, und verfügt er über die erforderlichen Genehmigungen?
- Ist die Reinigungsmaschine ein geschlossenes System mit Unterdruck und Filtration?
- Wie werden Feststoffe und Wasser getrennt aufgefangen und erfasst?
- Wohin gehen die Reststoffe, und wer ist für die Entsorgung verantwortlich?
- Wie werden Freigabe und Dokumentation festgehalten?
Was eine gute Reinigungsmaschine für NORM auszeichnet
Bei NORM geht es um Beherrschung: Nichts darf unbeabsichtigt freigesetzt werden. Eine geeignete Maschine arbeitet deshalb in einem geschlossenen Kreislauf, mit Unterdruck und Filtration der Abluft, sodass Staubpartikel und Nebel aufgefangen werden. Das Reinigungsmedium wird im Kreislauf geführt, was das Abwasservolumen begrenzt und die Menge der zu verwertenden Reststoffe verringert.
Außerdem muss die Maschine so aufgebaut sein, dass Feststoffe und Wasser getrennt aufgefangen und gewogen werden. Das erleichtert die Dokumentation und hilft bei der Abgabe an einen zugelassenen Verwerter. Werkstoffe werden nach glatten, gut zu dekontaminierenden Oberflächen ausgewählt, damit Wartung und die spätere Freigabe der Maschine selbst beherrschbar bleiben.
Auch die Bedienung spielt eine Rolle. Je mehr Handgriffe automatisiert oder aus der Ferne erfolgen, desto geringer die Exposition der Mitarbeiter. Wir konstruieren mit diesem Grundsatz, in Abstimmung mit dem Strahlenschutzexperten Ihres Projekts. Zu unserem allgemeinen Ansatz für Reinigungsmaschinen lesen Sie mehr auf der Seite Reinigung radioaktiv kontaminierter Rohrleitungen.
Fazit
NORM ist ein beherrschbares Thema, sofern Sie es ernst nehmen. Ein guter Ansatz verbindet Fachkenntnis, die richtigen Genehmigungen und eine Reinigungsmaschine, die darauf ausgelegt ist, alles aufzufangen. Als Maschinenbauer konstruieren und bauen wir diese Maschine; für die Ausführung arbeiten wir mit anerkannten Partnern zusammen. Möchten Sie ein Projekt besprechen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Mehr zu unseren anderen Einsatzgebieten finden Sie bei Industriereinigung und Branchen.
FAQ
Häufige Fragen zu: NORM in Rohrleitungen von Öl und Gas: Was Sie wissen müssen
Antworten auf die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden. Ihre Frage ist nicht dabei? Nehmen Sie Kontakt auf.
Was bedeutet NORM?
NORM steht für Naturally Occurring Radioactive Material, also natürlich vorkommende radioaktive Stoffe. Es handelt sich um Stoffe aus der Erdkruste wie Radium und Blei-210, die sich bei Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas anreichern können.
Wo entsteht NORM in einer Anlage?
Vor allem als Scale aus Formationswasser, als Schlamm in Behältern und Separatoren und als dünner Belag durch den Zerfall von Radon in Gasströmen. Die Aktivität ist meist niedrig, unterscheidet sich aber je nach Standort und Bauteil.
Wer überwacht NORM in den Niederlanden?
Die niederländische Behörde für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz (ANVS) überwacht Tätigkeiten mit radioaktiven Stoffen. Die Regeln finden sich unter anderem im Kernenergiegesetz (Kernenergiewet) und im Besluit basisveiligheidsnormen stralingsbescherming. In Deutschland gelten das Strahlenschutzgesetz und die Strahlenschutzverordnung, der Vollzug liegt bei den Ländern.