PFAS sind in den letzten Jahren von einem Fachbegriff zu einem Thema auf Vorstandsebene geworden. Dennoch wissen viele Unternehmen noch nicht genau, was es für sie bedeutet. In diesem Artikel fassen wir zusammen, was PFAS sind, wo sie in einem Betrieb auftreten können und welche ersten Schritte sinnvoll sind. Zur technischen Seite lesen Sie mehr auf unserer Seite zu PFAS-Lösungen.
Was sind PFAS?
PFAS ist ein Sammelbegriff für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Es handelt sich um Tausende vom Menschen hergestellte Verbindungen mit einer außerordentlich stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindung. Dank dieser Bindung sind sie beständig gegen Hitze, Wasser, Fett und Schmutz. Deshalb stecken sie in Löschschaum, Beschichtungen, wasserabweisenden Textilien, Verpackungsmaterial und vielen industriellen Prozessen.
Der Nachteil: Natürliche Prozesse bauen sie kaum ab. PFAS bewegen sich mit dem Wasser, gelangen in Boden und Grundwasser und können sich in Lebewesen anreichern. Deshalb spricht man auch von „Ewigkeitschemikalien“ („forever chemicals“). Ein Teil der Stoffe wird zudem mit Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht, was das Interesse der Behörden erklärt.
Wo treten PFAS in Ihrem Betrieb auf?
Nicht jedes Unternehmen hat mit PFAS zu tun, aber die Liste möglicher Quellen ist länger, als viele denken. Zum Beispiel:
- Prozess- und Abwasser aus Beschichtung, Galvanik, Textil, Papier oder Verpackung
- Anlagen und Leitungen, in denen PFAS-haltiger Löschschaum war
- Bauwasserhaltung und Grundwasser an einem belasteten Standort
- Sickerwasser von Deponien und Verwertungsstandorten
- Boden, der wiederverwendet oder abgefahren wird
Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
Für ein Unternehmen läuft es vor allem auf drei Fragen hinaus. Darf ich dieses Wasser einleiten? Darf ich diesen Boden wiederverwenden oder abfahren? Und was geschieht mit meinen Anlagen und Reststoffströmen? Die Antworten hängen vom Standort, der PFAS-Art und der Konzentration ab sowie von den geltenden Regeln. Diese Regeln ändern sich schnell.
Aktuelle Regeln prüfen
Für Einleitungen sind in den Niederlanden häufig der Wasserverband (waterschap), die Gemeinde oder die Umweltbehörde zuständig; für Boden gelten landesweite Rahmen. In Deutschland gelten je nach Sachverhalt wasser-, boden- und abfallrechtliche Vorgaben, deren Vollzug meist bei den Behörden der Bundesländer liegt. Prüfen Sie stets die aktuellen Vorgaben bei Ihrer zuständigen Behörde. Allgemeine Informationen zu PFAS veröffentlichen in den Niederlanden das RIVM und Rijkswaterstaat, in Deutschland unter anderem das Umweltbundesamt.
Fünf erste Schritte
- Erfassen Sie Ihre Stoffströme. Wo werden Wasser, Boden oder Schaum freigesetzt, und wo wurden PFAS-haltige Stoffe eingesetzt?
- Lassen Sie messen. Nur eine Analyse durch ein geeignetes Labor schafft Gewissheit. Ein Beratungsbüro hilft beim Probenahmeplan.
- Sprechen Sie mit Ihrer zuständigen Behörde. Fragen Sie, welche Anforderungen für Einleitung, Wiederverwendung oder Abfuhr gelten.
- Prüfen Sie Optionen. Können Sie den Einsatz begrenzen, den Strom verkleinern oder trennen? Das zahlt sich später bei der Aufbereitung aus.
- Wählen Sie eine Technik auf Basis von Daten. Lassen Sie Messergebnisse, Ihr Ziel und die Restprodukte die Wahl bestimmen.
Welche Techniken gibt es?
Für Wasser sind vier Techniken gängig: Aktivkohlefiltration, Ionenaustausch, Nanofiltration oder Umkehrosmose und Schaumfraktionierung. Jede Technik hat Stärken und Schwächen. Aktivkohle funktioniert gut bei längerkettigen PFAS, Ionenaustausch erfasst häufig auch kürzere Ketten, Membranen entfernen breit, liefern aber einen Konzentratstrom, und die Schaumfraktionierung passt zu höheren Konzentrationen. Häufig kombiniert man sie, mit einer Vorbehandlung davor.
Eine Vergleichstabelle mit Hinweisen finden Sie auf der Seite PFAS-Lösungen. Sehen Sie die Verunreinigung in einem größeren Zusammenhang? Dann hilft auch unsere Seite zu den Lösungen bei Verunreinigungen.
Was geschieht mit den abgeschiedenen PFAS?
Ein häufiger Denkfehler ist, dass die Aufbereitung das Problem verschwinden lässt. In Wirklichkeit verlagern Sie die PFAS vom Wasser in ein Restprodukt: erschöpfte Aktivkohle, gebrauchtes Harz oder ein Konzentrat. Dieses muss von zugelassenen Betrieben verwertet werden, zum Beispiel durch thermische Reaktivierung oder Verbrennung bei hoher Temperatur. Berücksichtigen Sie das schon früh, auch finanziell, denn die Verwertungskosten können bei der Wahl der Technik stark ins Gewicht fallen.
Kosten und Förderung
Eine Aufbereitungsanlage ist eine ernsthafte Investition. Für manche umweltfreundlichen Betriebsmittel gibt es steuerliche Regelungen und Förderprogramme. Lesen Sie mehr unter Förderung und Regelungen und prüfen Sie die aktuellen Voraussetzungen bei der zuständigen Stelle oder Ihrem Berater.
Häufige Fehler beim Umgang mit PFAS
In der Praxis sehen wir einige Muster immer wieder. Erstens wird eine Technik gewählt, bevor die Zusammensetzung des Wassers bekannt ist. PFAS treten selten allein auf: Organische Stoffe, Salze und andere Verunreinigungen beeinflussen, wie schnell ein Filter erschöpft ist. Ein Pilotversuch mit Ihrem eigenen Wasser verhindert dann teure Überraschungen.
Zweitens wird nur auf den Anschaffungspreis geschaut. Die tatsächlichen Kosten bestehen aus Energie, Austausch des Filtermaterials, Überwachung und der Verwertung der Restprodukte. Eine günstige Anlage mit kurzer Standzeit kann über die Lebensdauer teurer werden als ein robuster ausgeführtes System.
Drittens wird die zuständige Behörde zu spät eingebunden. Für Einleitung, Grundwasserentnahme oder Wiederverwendung gelten Bedingungen, die die Konstruktion unmittelbar beeinflussen. Sprechen Sie deshalb früh mit der Behörde und legen Sie Messpunkte und Berichterstattung fest, bevor der Bau beginnt.
Und schließlich unterschätzt man die Bedienseite. Eine Anlage, die sich schwer überwachen oder warten lässt, wird in der Praxis weniger gut betreut. Wir konstruieren deshalb mit klaren Messpunkten, leicht zugänglichen Filterbehältern und einer übersichtlichen Steuerung.
Fazit
PFAS gehen Sie am besten Schritt für Schritt an: zuerst wissen, was vorliegt, dann das Gespräch mit Ihrer zuständigen Behörde suchen und erst danach eine Technik wählen. Als Maschinenbauer helfen wir bei diesem letzten Teil, mit einer Anlage nach Maß, die zu Ihrem Wasser, Ihrem Platz und Ihrem Budget passt. Möchten Sie Ihre Situation besprechen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
FAQ
Häufige Fragen zu: PFAS in Wasser und Boden: Was Unternehmen wissen müssen
Antworten auf die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden. Ihre Frage ist nicht dabei? Nehmen Sie Kontakt auf.
Was bedeutet PFAS?
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine große Gruppe vom Menschen hergestellter Stoffe mit einer außerordentlich stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindung. Sie werden in der Umwelt kaum abgebaut und deshalb auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt.
Woher weiß ich, ob mein Unternehmen mit PFAS zu tun hat?
Prüfen Sie, wo PFAS-haltige Stoffe eingesetzt wurden, etwa Löschschaum, Beschichtungen oder wasserabweisende Mittel. Lassen Sie danach Wasser oder Boden von einem geeigneten Labor analysieren. Nur eine Messung schafft Gewissheit.
Kann eine Aufbereitungsanlage PFAS zerstören?
Nein. Aufbereitungsanlagen trennen PFAS vom Wasser ab. Das Restprodukt, etwa erschöpfte Kohle oder Konzentrat, muss anschließend von zugelassenen Betrieben verwertet werden.